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Fachbereich: Alte Sprachen

Ansprechpartner: StD'in Ulrike Dörr, StD Gregor Lumpp

Latein am Albertus-Magnus-Gymnasium

Das Fach Latein, das am Albertus-Magnus-Gymnasium ab Klasse 5 gelehrt wird, vermittelt den Zugang zu der Sprache, die 2000 Jahre lang Allgemeinsprache des Abendlandes gewesen ist. Nur das Lateinische ermöglicht eine verlässliche Begegnung mit unserer Vergangenheit - mit der Zivilisation des Römischen Reiches ebenso wie mit den Wurzeln des westlichen Christentums, mit der Entdeckung des logisch denkenden Menschen seit dem Hochmittelalter ebenso wie mit der Aufklärung und Emanzipation des Denkens.

Spracherwerb und Persönlichkeitsbildung

Auf den Ebenen von Methodik und Persönlichkeitsentwicklung schult das Lateinische, wie mit und neben ihm nur das Griechische, die Fähigkeit, Sprache als ein logisches, klar strukturiertes Werkzeug zu erkennen. Durch das Erlernen des Lateinischen erwerben die Schülerinnen und Schüler Methoden, die nicht nur für den Erwerb anderer Sprachen von Nutzen sind, sondern auch die Fähigkeit erweitern, Kommunikation und Sprache als solche zu durchdringen und Souveränität im eigenen Sprechen und Zuhören zu entwickeln.

Latein bietet für die individuelle Entwicklung und die Herausbildung der Persönlichkeit viel. Zugleich trainiert es Genauigkeit und Ausdauer beim Spracherwerb. „Sitzfleisch“ und genaues Hinsehen und Unterscheiden, Wiederholen und erneutes Anwenden sind für den Erwerb der lateinischen Sprache wichtig. Albertus Magnus, der allseitig interessierte und qualifizierte Wissenschaftler der Scholastik und Namenspatron unserer Schule, wies bereits Mitte des 13. Jahrhunderts auf jene Genauigkeit und Präzision hin, die beim Arbeiten und Beobachten unerlässlich ist: „Es genügt nicht, die Beobachtung nur auf eine einzige Weise anzustellen; man muss sie vielmehr unter allen möglichen Bedingungen überprüfen, damit sie mit Sicherheit und Recht Grundlage der Arbeit sein kann.“1 Was für die Naturwissenschaften gilt, lässt sich auch für den sprachlichen Bereich sagen: Einmal grundsätzlich Erfasstes lässt sich jederzeit anwenden und übertragen. Somit bildet das Lateinische gleichsam die Pforte zu einem vielseitigen Spektrum alter und moderner Sprachen - Griechisch und Hebräisch einerseits, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch andererseits. Denn als Europäisches Gymnasium sind wir der Überzeugung, dass erst die Kombination von alten und modernen Sprachen zu einem umfassenden europäischen Bewusstsein führen kann. Das analytische Erschließen und systematische Übersetzen antiker Texte führt zu unseren Wurzeln und ergänzt sich mit dem kommunikativen Zugang zu unseren zeitgenössischen Fragen im Unterricht der modernen Fremdsprachen.

Diese Multivalenz der Sprachen zeigt sich bereits im Unterricht der Klasse 5. Der frühe Fremdsprachenerwerb in der Grundschule spricht dafür, am Gymnasium mit dem Erlernen des Lateinischen fortzufahren. Denn die Grundschulfremdsprache ist durch Hörverstehensprozesse und durch Imitation geprägt. Die lateinische Sprache ist die ideale Ergänzung, da sie über genaues Analysieren, strukturelles Erfassen von Satzfunktionen und Reflexion das Funktionieren von Sprache an sich erschließt. Dies gilt sowohl für die eigene Muttersprache als auch für das Erlernen aller weiteren alten und neuen Fremdsprachen.

Dieser reflektierte Umgang mit der Sprachwelt ist an unserer Schule integriert in eine gleichzeitige lebendige Begegnung mit der antiken und modernen Lebenswelt. Unser Lehrbuch „prima.“2 räumt kulturhistorisch interessanten Themen von Beginn an breiten Raum ein: Die Schüler werden mit dem römischen Alltagsleben ebenso konfrontiert wie mit Fragen der Geschichte und Politik, der Mythologie und der Baukunst; es gibt Texte zum Leben im noch unzivilisierten Germanien und zum Übergang vom Götterkult zum Christentum. Parallel findet mit der Einführung in den griechischen Kulturkreis die Auseinandersetzung mit philosophischen Fragestellungen bereits in der Unterstufe ihren Platz.

Griechisch am Albertus-Magnus-Gymnasium

Auch der Griechischunterricht führt mit dem Lehrbuch „Kairos“3 direkt in die zentralen Themen der griechischen Antike: Was darf der Mensch? Wo liegt die Grenze unseres Handelns? Was heißt Verantwortlichkeit? - das sind Fragestellungen, die an Hand der griechischen Mythen bereits in den ersten Lektionen aufgearbeitet werden. Die alten Sprachen umfassen damit die gesamte kulturelle und gesellschaftliche Bandbreite der antiken Philosophie, Religion, Technik, Wissenschaft, Politik und Geschichte. So kann die Vertrautheit mit der Antike in unserer immer schnelllebigeren Zeit sogar zu einem Gefühl des „Zuhause-Seins“ beitragen: Wer in der Schule Latein und Griechisch lernt, wird sich in einer Kultur, die von seinen Schulautoren inspiriert wurde, nicht heimatlos fühlen.

Hebräisch am Albertus-Magnus-Gymnasium

Seit den Tagen des großen Humanisten Johannes Reuchlin galt es als ehrende Bezeichnung, „trium linguarum peritus“ zu sein („dreier Sprachen kundig“ - gemeint waren Latein, Griechisch und Hebräisch). Das Rottweiler Albertus-Magnus-Gymnasium zählt zu den ganz wenigen Schulen in Deutschland, an denen neben den beiden klassischen Sprachen Latein und Griechisch auch Hebräisch unterrichtet wird - und dies seit über 350 Jahren!
Dieses Angebot richtet sich sowohl an diejenigen Jugendlichen, die ein Theologiestudium anstreben, als auch an alle anderen, die am Erlernen einer nicht indogermanischen Sprache interessiert sind. Die Sprache des Alten Testaments ermöglicht zudem einen guten Zugang zum Neuhebräischen (Iwrit) und zum Jiddischen. Darüber hinaus vermittelt der Unterricht die einmalige Gelegenheit einer Begegnung mit Angehörigen der jüdischen Kultusgemeinden und ermöglicht wichtige Einsichten in den jüdischen und christlichen Glauben und in das Wesen der israelitisch-jüdischen Kultur. Er bietet somit den Schülerinnen und Schülern einen hervorragenden Zugang zu einer Welt, die unsere heutige abendländische Kultur entscheidend mitgeprägt hat.
Neben zweistündigen Arbeitsgemeinschaften in der Mittelstufe kommt jedes Jahr auch ein vierstündiger Kurs in der Oberstufe zustande. Im Rahmen ihrer Abiturprüfung erwerben dann die Schülerinnen und Schüler ihr Hebraicum. Dies kann entweder durch eine schriftliche Ergänzungsprüfung geschehen oder durch die Wahl von Hebräisch als fünftem mündlichem Prüfungsfach. Dieses speziell auf angehende Theologen zugeschnittene Sprachenangebot gibt es in dieser Form in Südbaden nur noch in Freiburg und Konstanz.
Der Hebräischunterricht erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Bischöflichen Gymnasialkonvikt und wird von dessen Direktor, Herrn Dr. Ulrich Fiedler, erteilt.

Schule - und mehr

Fächerübergreifender Unterricht, Exkursionen in die nähere und weitere Umgebung, Projekttage sowie als Höhepunkt Studienfahrten nach Italien und Griechenland sorgen für eine lebendige Auseinandersetzung mit den Grundlagen unserer gesamten europäischen Kultur. Hinzu kommt die Ermutigung und Begleitung unserer Schüler bei Wettbewerben und Theaterprojekten, um auch individuelle Interessen und Fähigkeiten zu fördern und das Bewusstsein zu wecken, dass wir humanistische Bildung nicht als „Wissensschule“, sondern – nach R.v. Weizsäcker - in jeder Hinsicht als „Menschenschule“4 verstehen. Alle Grundprobleme der Menschen sind zuerst von den Griechen und Römern durchdacht und dargelegt worden, und dies in einer klaren, oft unbequemen, meist radikalen Sprache und in Denkformen, die uns in ihren Bann zwingen.

Curriculum und Vernetzung

Unsere Schüler beginnen mit dem Lateinunterricht in Klasse 5 mit fünf Wochenstunden und einem zusätzlichen Förderangebot, um unterschiedliche Voraussetzungen vor allem auch in der Vertrautheit mit grammatischen Phänomen aufzufangen. Parallel zum Lateinunterricht führen wir die früh begonnene Fremdsprache Englisch mit vier Stunden weiter Mit der Profilwahl in Klasse 8 können unsere Schülerinnen und Schüler zwischen Französisch und Griechisch wählen. Der Abschluss der Klasse 10 führt zum Latinum und, in Verbindung mit einer Prüfung, zum Graecum. Zugleich bieten wir die Möglichkeit, Französisch oder Spanisch als spätbeginnende Fremdsprache zu wählen. Diese sukzessive aufeinander folgenden Wahlmöglichkeiten sind die Grundlage für das Erlernen von mindesten vier Fremdsprachen (zwei alten und zwei bis drei neuen) im Kernbereich (Europäisches Gymnasium). Der Sprachunterricht der daran anschließenden Kursstufe führt zu einem anspruchsvollen Sprachverständnis, bei dem, je nach Wahl, Schwerpunkte im alt- oder neusprachlichen Bereich individuell gesetzt werden können. So stellt sich an unserer Schule nicht die Frage nach einem Entweder-oder: Mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen an Sprache und ihren fernen und doch nahen Inhalten tragen die alten Sprachen in dieser Kombination mit den modernen Sprachen sogar zu einer Lernökonomie bei: Arbeitsteilung nennt man das gewöhnlich. Und diese verbindet sich ideal mit unserem naturwissenschaftlichen Angebot. Die Beschäftigung mit den Sprachen wird durch die Parallelität des naturwissenschaftlichen Profils an unserer Schule in ein umfassendes Bildungskonzept integriert, bei dem das Sowohl-als-auch bis zum Abitur seine Gültigkeit behält. Durch die Wahlmöglichkeiten insbesondere in der Kursstufe lassen sich individuelle Schwerpunkte immer wieder neu setzen.

1 Albertus Magnus: Super ethica. Commentum et quaestiones VI,2,25
2 prima. Gesamtkurs Latein. Ausgabe A. Textband und Begleitband. Bamberg, C.C. Buchner, 2004.
3 Kairos.Griechisches Unterrichtswerk. Bd. I/II. Bamberg, C.C. Buchner, 2007.
4 R. v. Weizsäcker, Rede anlässlich der Verleihung des Humanismus-Preises 1998.